Rien ne va plus! Wenn ein Theater saniert werden muss

2022: Das ist das Jahr, in dem das Mainfranken Theater Würzburg saniert sein und dann auch über eine neue Spielstätte verfügen soll. Mit Hintergrundinformationen zum Stand der Planungen, ersten Entwürfen und einem Interview mit dem Theatergeschäftsführer Dirk Terwey wagen wir einen Blick in die Zukunft unseres traditionsreichen Mehrspartenhauses.

Interview mit Dirk Terwey, Kaufmännischer Geschäftsführer des Mainfranken Theaters.

Was ist die Ausgangslage?

Das Würzburger Theater wurde im Jahr 1804 begründet und gehört zu den ältesten sogenannten stehenden Theatern in Deutschland. Im Zweiten Weltkrieg baulich vollständig zerstört, setzt das heutige Mainfranken Theater die mehr als 200-jährige Bühnentradition in Würzburg fort. Als ein kultureller und gesellschaftlicher Angelpunkt in Unterfranken trägt die 1966 wieder errichtete Spielstätte zur Attraktivität der Region bei. Als öffentliche Institution mit Bildungsauftrag leistet das Haus einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung und Pflege des Theaterschaffens. Doch das inzwischen in die Jahre gekommene Gebäude unweit der Residenz bedarf dringend einer Sanierung, um den Spielbetrieb wirtschaftlich, sicher und zeitgemäß fortführen zu können.

Was sind die Probleme?

Mit dem Schauspiel „Stille Wasser sind tief“ eröffnete Julius Graf von Soden das Würzburger Theater am 3. August 1804. „Heute müssen wir täglich diverse Untiefen umschiffen“, meint Dirk Terwey, Kaufmännischer Geschäftsführer des Mainfranken Theaters. Was ihm Kopfzerbrechen bereitet: Dem Mehrspartenhaus fehlt es an Platz, beispielsweise für Büros und die Probenarbeiten. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Mainfranken Theater leisten ihr Arbeitspensum unter Bedingungen, die dem heutigen Standard und den Anforderungen an eine zeitgemäße Arbeitsplatzgestaltung nicht mehr gerecht werden. Das wollen wir ändern“, resümiert Terwey. Ein Beispiel: Der Orchester-Probenraum ist zu klein, Lautstärke und Luftfeuchtigkeit wirken sich beim Übungsspiel entsprechend ungünstig aus. Beeinträchtigungen für die empfindlichen Instrumente oder gar Gehörschäden können die Folge sein.

Mainfranken Theater Wuerzburg 2021. Visualisierung pfp architekten.

Das Mainfranken Theater nach seiner Sanierung: Eine neue Spielstätte mit rund 330 Plätzen, eine Öffnung zur Stadt und ein möglicher Blick von außen auf die Probenarbeiten gehören zur Vision. Entwurf: pfp architekten.

Welche finanziellen Auswirkungen hat das?

Überdies gibt es im Hauptgebäude des Mainfranken Theaters keinen Raum für die Zusammenkünfte des Klangkörpers. Die Proben des Orchesters müssen in einem angemieteten Nebengebäude stattfinden. Andere Abteilungen des Hauses sind dort ebenfalls zur Miete ausgelagert – ein erheblicher Kostenfaktor, der mit den geplanten Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen des Mainfranken Theaters mittelfristig eingespart werden soll. Ein weiteres dringliches Sanierungsfeld ist die Bühnentechnik. Ihr mangelt es an einer Schnittstelle für die zentrale Betätigung der Bühnenmaschinerie, da teils analog, teils digital angesteuert wird. Die Konsequenz ist ein erhöhter Personalbedarf für die Koordinierung der technischen Abläufe. Zudem unterscheiden sich die Anforderungen, die ein moderner Theaterbetrieb heute an die Bühnentechnik stellt, ganz wesentlich von den Bedarfen, die ein Mehrspartenhaus noch vor 50 Jahren zu erfüllen hatte. „Die Mängelliste ließe sich beliebig fortführen“, sagt Dirk Terwey. Und ergänzt: „Bei mancher Vorstellung bangen wir, ob wir ohne Ausfälle bis zum Ende durchspielen können.“

Wie geht es weiter?

Umso mehr erfreut es den Kaufmännischen Geschäftsführer des Mainfranken Theaters, dass der Würzburger Stadtrat die Sanierung seines Hauses im Sommer 2015 unisono beschlossen hat. Es ist geplant, dass die Arbeiten in der Spielzeit 2018/19 mit der Erweiterung des Theaters um eine Spielstätte mit circa 330 Plätzen im Bereich des Kopfbaus beginnen. Ist diese Bauphase abgeschlossen, kann die neu errichtete Bühne bespielt werden, während die Sanierungsarbeiten im Großen Haus und dem übrigen Gebäude fortgesetzt werden.

Fertiggestellt sein könnte das frisch sanierte Mainfranken Theater Würzburg nach Stand der aktuellen Planungen bis zum Jahr 2022. Um das Bauvorhaben finanzieren zu können, sollen nur die Maßnahmen umgesetzt werden, die dringend erforderlich und nicht mehr aufzuschieben sind. Das dafür im Rahmen einer Machbarkeitsstudie veranschlagte und durch die Stadt Würzburg beschlossene Budget beträgt insgesamt rund 50,5 Millionen Euro. Eine wichtige Investition in die Zukunft, übernimmt das Theater doch vielfältige öffentliche Aufgaben für die Stadt und die Region. „In der zurückliegenden Spielzeit waren mit rund 34.000 Zuschauern fast ein Viertel unseres Publikums junge Menschen, also Schüler, Studenten und Auszubildende“, berichtet Dirk Terwey, der sich über steigende Besucherzahlen in seinem Haus freut.

Was bringen die Investitionen perspektivisch?

Dass Theater, deren Geschichte bis in die vorindustrielle Zeit zurückreicht, nicht nur eine historische, gesellschaftliche und kulturelle Relevanz haben, sondern auch als veritable Wirtschaftsfaktoren auf einen Standort gewirkt haben und noch immer wirken, belegt das Münchner Ifo-Institut. In einer Studie (2015) zur Prosperität von Städten mit langer Operntradition – darunter Würzburg – zeigt es, dass kulturelle Investitionen einen positiven Effekt auf den Wohlstand der jeweiligen Stadt und Region haben.

Dem Ergebnis der Untersuchungen zufolge zieht die Hochkultur am Theater auch viele hochqualifizierte Menschen an. Deren Einkommen strahlt wiederum positiv auf die gesamte regionale Wirtschaft ab. Und: Dieser Effekt bleibt auch bestehen, wenn andere Einflüsse auf den örtlichen Wohlstand herausgerechnet werden. Für die Autoren der Studie eine mögliche Bestätigung dafür, dass der kulturelle Reichtum den wirtschaftlichen bedingt – und nicht umgekehrt.

 

Dieser Beitrag wurde am 08.06.2016 aktualisiert.

2 Comments

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    würde gern mehr über die geplante Sanierung erfahren. Wo kann man Pläne und/oder ein Modell einsehen? Können die Abonenten (habe eine Premieren-Abo) bei der geringeren Kapazität ausreichend bedient werden. Über weitere Infos würde ich mich freuen.
    m.f.G. D. Feulner

    • Sehr geehrter Herr Feulner,

      vielen Dank für Ihr Interesse. Nachdem wir im Sommer vier EU-weite Ausschreibungen abgeschlossen haben, steht jetzt das Planungsteam und ist mit der konkreten Ausplanung der Sanierung befasst (mehr dazu hier). Sobald die nächsten Etappenziele erreicht sind, werden wir darüber hier im Blog und auf unseren weiteren Plattformen sowie über die Tagespresse berichten. Akuten Grund zur Sorge sehe ich für Abonnenten aktuell nicht, denn wir werden ja auch während der Sanierung weiterspielen und dabei so viele Plätze wie möglich vorhalten – zunächst im Großen Haus, bis die neue zweite Spielstätte des Mainfranken Theaters errichtet sein wird, und dann in dieser neuen Spielstätte sowie auch andernorts in Würzburg, bis das Große Haus saniert ist.

      Mit herzlichen Grüßen
      Britta Grigull

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