MAGNOLIENZEIT: Aus Keller wird Bühne

Ein Interview von Friederike Lange | Drei Fragen an die Ausstatterin von MAGNOLIENZEIT

Karlotta Matthies ist seit November 2017 Ausstattungsassistentin am Mainfranken Theater. MAGNOLIENZEIT ist das erste Projekt, in dem sie selbst die Bühnen- und Kostümgestaltung leitet.

Friederike Lange:  Karlotta, wie entwickelt man das Bühnenbild für ein Stück, das selbst gerade erst heranwächst?
Karlotta Matthies: Da die Fassung ja erst mit der Recherche entstanden ist, musste ein flexibles Bühnenbild her, das verschiedene Orte und Erinnerungen darstellen konnte. Außerdem ist der Max-Stern-Keller ja nicht in erster Linie ein Theaterraum und das Bühnenbild muss sich in das Raumkonzept gut einfügen können. In diesem Fall gibt es neben speziellem Boden und verputzten Wänden auch besondere Elemente, wie Säulen und Schmuckfenster, die ich in das Bühnenbild integrieren wollte. Am Ende kam dann die Idee von Holzkisten, die sich mit ihrer geraden Form gut einfügen können, durch ihre Eigenschaften aber auch sehr veränderbar sind. Die Kisten können geöffnet und gestapelt werden und sich neu formen, so wie sich auch Erinnerungen immer wieder neu formen. Jeder Probentag ist für die Erarbeitung des Bühnenbilds entscheidend. Eine Probe kann schnell dafür sorgen, dass plötzlich ganz neue Requisiten nötig sind und andere rausgeschmissen werden müssen. Auch jetzt, eine knappe Woche vor der Premiere, ist die Arbeit noch nicht vorbei, aber eine Grundästhetik ist erspürt, in der wir uns sicher bewegen können.

Wer ist alles in der Entstehung vom Bühnenbild involviert?
Als erstes natürlich Regisseur, Dramaturgin und ich als Ausstatterin: wir haben die Ideen gemeinsam besprochen und entwickelt. Mit den fertigen Plänen geht es dann zur Werkstatt und in den Malersaal. Hier werden die Entwürfe umgesetzt, in unserem Falle wurden die Kisten und einige der Requisiten gebaut und bemalt. Die Schneiderei kümmert sich um die Kostüme, wobei auch viele Kleidungsstücke und Requisiten im Fundus aufgelesen werden.

Apropos, was waren deine Vorstellungen für die Kostüme?
Ich wollte schlichte, zeitlose Kleidung wählen, mit der man sich identifizieren kann und die genauso wie das Bühnenbild gut in den Raum passt. Ein bisschen wollte ich natürlich auch den Stil der damaligen Zeit treffen, aber da ist es bewusst bei Andeutungen geblieben.

Ansonsten war es mir sehr wichtig, die Schauspieler einzubeziehen und die Kostüme gemeinsam zu besprechen. Sie haben mir nützliche Impulse geben können und ich habe versucht, etwas auszusuchen, das ihnen hilft, ihre Rollen leichter zu finden.

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Auf den ersten Blick besteht das Bühnenbild von MAGNOLIENZEIT aus einfachen Holzkisten in verschiedenen Größen. Aber wenn man eine der Kisten öffnet, findet man verheißungsvolle Schätze:

1 Notizbuch
4 Weingläser, 1 Weinflasche
1 normales Glas
1 Hut
1 Perücke
1 Kohlestift
2 Brillen
1 Jackett
1 Packung Kaugummi
1 Handy
1 Stimmgabel
6 Aktenordner
2 Schaltücher

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