Ein magischer Abend

Peter Simonischek und Franui im Rahmen des Mozartfests zu Gast im Mainfranken Theater

/ Wenn Jazz, Brass und zeitgenössische Kammermusik auf Mozart, Schubert oder Satie treffen, ist die Osttiroler Musicbanda Franui nicht weit. Mit Burgtheater-Schauspieler und „Toni Erdmann“-Darsteller Peter Simonischek im Bunde widmet sich das Ensemble in einem musikalisch-literarischen Abend, an dem ganz und gar nichts fad ist, der Langeweile. „Ennui – Geht es immer so weiter?“ heißt ihr kurzweiliges Programm, das das Mainfranken Theater in Kooperation mit dem Mozartfest am 22. Juni im Großen Haus präsentiert.

Das Ereignis war magisch – wenn nicht gar hypnotisch: An einem Abend im Mai saßen die zehn Musiker der Osttiroler Musicbanda Franui auf der Bühne des Wiener Konzerthauses und wurden dort Zeugen eines Vortrags von Peter Simonischek. Der preisgekrönte, im Theater und auf der Kinoleinwand erfolgreiche Schauspieler rezitierte ein Gedicht des österreichischen Experimentallyrikers Ernst Jandl, das mit den Versen beginnt: „an ruhigen tagen / sitzen und fragen: / geht es immer so weiter?“ Jandls minimalistischer Rhythmus, die Wiederholung oder nur geringfügige Variation der immer gleichen Worte und das Lakonisch-Vage ihrer Bedeutung wurden durch Simonischeks Interpretation zu einem Kunstmonument von bannender Schönheit. Das Ensemble Franui, das zu diesem Zeitpunkt bereits an einem Mozart-Programm mit dem Arbeitstitel „Divertimento“ tüftelte, war elektrisiert. Die Idee zu einem gemeinsamen musikalisch-literarischen Abend war geboren, in dessen Zentrum die existentielle Langeweile stehen sollte, „die Leere, das Nichts, die Schwärze und die Traurigkeit, die dem Menschen zuweilen auf die Seele rückt“, so Franui-Gründer und -Trompeter Andreas Schett.

Mit Unterhaltung gegen den „ennui“

Dass man der Langeweile – auf Französisch: ennui – nur durch Unterhaltung entfliehen könne, wusste schon der Philosoph Søren Kierkegaard. Schauspieler Peter Simonischek bringt nicht nur ihn – und natürlich Jandl – zu Gehör, sondern unter anderem auch Erik Satie und John Cage, Hans Magnus Enzensberger oder Arthur
Schopenhauer: Freigeister, die sich mit den existentiellen Fragen der Langeweile beschäftigt haben.

Franuis Musikauswahl vermag diese thematischen Einlassungen köstlich und bisweilen auch schräg zu kommentieren. Dafür, dass bei ihrem Programm alles andere als Langeweile aufkommt, stehen nicht zuletzt die Kassationen, Serenaden und Divertimenti von Mozart: jene zumeist heiteren Unterhaltungsmusiken also, die bei Tisch, im Freien, aber auch im Konzertsaal erklangen und den herrschenden Ständen der Zerstreuung dienten. Und was dem Salzburger Komponisten einst virtuos aus der Feder floss, wurde nun mit subversiver Musizierlust ganz Franui-typisch eingerichtet und mit den Werken anderer Tonschöpfer in einen Dialog gesetzt. „Manche Musik zelebrieren wir in all ihrer Schönheit“, beschreibt Andreas Schett die künstlerische Auseinandersetzung, „indem wir sie uns mit unserem merkwürdigen Instrumentarium aneignen und da und dort lediglich einen kleinen Farbtupfer hinzufügen. Manches Mal stellen wir aber auch alles vom Kopf auf die Füße (oder umgekehrt), skelettieren, phantasieren, komponieren weiter und fügen Musik aus verschiedenen Landstrichen und Zeitaltern neu zusammen. Wir unterhalten uns mit Themen von Mozart und Satie und einigen anderen über geografische Räume, musikalische Epochen und Stile hinweg.“

Persönliche Einblicke: Simonischek im Gespräch

Peter Simonischek absolvierte sein Schauspielstudium heimlich, denn sein Vater, ein Zahnarzt, sah eigentlich eine medizinische Karriere für ihn vor. Sein Sohn Max, ebenfalls Schauspieler, bestritt seine Ausbildung unter anderem bei Markus Trabusch am Mozarteum Salzburg – in dessen dortiger Zeit als Professor für Schauspiel und Regie. Wie sehr Leben und Beruf miteinander verwoben sein können, wie sich einstige und heutige Schauspielerviten voneinander unterscheiden und welche Herausforderungen die Arbeit für das Theater oder die Kinoleinwand mit sich bringt, darüber tauschen sich Simonischek und Würzburgs Intendant Markus Trabusch in einem Gespräch aus, das einen anregenden Auftakt für das sich anschließende Bühnenprogramm bildet.

ENNUI – Geht es immer so weiter?
Musikalisch-literarischer Abend mit der Musicbanda Franui und Schauspieler Peter Simonischek
Im Rahmen des Mozartfests Würzburg 2018
Freitag, 22.6. | 19:30 Uhr | Mainfranken Theater | Großes Haus
Zuvor Künstlergespräch mit Peter Simonischek | 18:00 Uhr | Foyer

Tickets und mehr unter www.mozartfest.de.

Beitragsbild: Peter Simonischek | © Xenia Hausner

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