Ein Accelerando aus Farbe und Humor

Eine Rezension von Konstantin Kobel |

Von einem Moment auf den anderen steht alles still. Die Musik verstummt und alle Darsteller verharren in ihrer Pose, steif und starr wie Statuen.
Graf Almaviva hat sich verkleidet und ist mithilfe des listigen Barbier Figaro, nach dem die Oper benannt ist, in das Haus des Doktor Bartolo eingedrungen, um seine Geliebte Rosina aus den Fängen ihres Vormundes zu befreien und zu heiraten. Als die Polizei hinzukommt und die wahre Identität des Verkleideten erkennt, ist die Verwirrung komplett. Die Figuren halten einen Moment inne, als müssten sie verarbeiten, was alles geschehen ist.
Der Reihe nach wachen die Figuren auf, zunächst zögerlich und in Zeitlupe vorwärts tastend, bevor sie wieder in die Handlung eintauchen, einander auslachen, sich die Zunge heraus strecken, die anderen beschimpfen und, als der Tumult vollständig losbricht, die Bühne beinahe zum Wackeln bringen. 

Mit vorsichtigen Einwürfen beginnend steigt allmählich das ganze Orchester ein (Musikalische Leitung: Marie Jacquot), bis Ambossklänge das Orchestertutti ins Maximum steigern und die Streicher die Musik mit farbenfroh plätschernden Läufen zum Jubilieren bringen.
Bis zu sechs Solisten zeitgleich und zusätzlich die Herren des Opernchores lassen die Silben auf das Publikum herab prasseln. Besonders Roberto Ortiz als Almaviva und Marzia Marzo als Rosina schrauben ihre Stimmen höher und höher und singen in großer Virtuosität zunehmend schneller.
Bunte, zu den Figuren passende Kostüme treten aus den in schlichten Farben gehaltenen Bühnenbildern heraus und sorgen für einige Lacher: Der alte Vormund im gelben Pullover mit zu enger Krawatte und hochrotem Kopf; die verschiedenen Frisuren des Barbier Figaro, die im Takt der Musik mit wippen (Kostüme: Katharina-Maria Diebel).
Das Licht erweckt den Eindruck, dass der Raum sich dreht, alles strebt auf den Höhepunkt zu, dem Doktor schwirrt der Kopf vom überwältigenden Durcheinander, während das Publikum beim bunten Spektakel erst ausgelassen mitlacht und, nachdem der Vorhang gefallen ist, begeistert applaudiert.
Dank einer spritzigen Umsetzung und pfiffigem Humor haben die Zuschauer den ganzen Abend Grund zu lachen. DER BARBIER VON SEVILLA wurde von Markus Trabusch modern und sehr gelungen umgesetzt. Ein Feuerwerk, das sich niemand entgehen lassen sollte.

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