a²+b²+x = Was ihr wollt

Ein Beitrag von Jonathan Oßwald |

Romeo und Julia – Eines der bekanntesten Liebesdramen:
Person A liebt Person B.
Person B liebt Person A.
Person A stirbt in den Armen von Person B.
Person B stirbt in den Armen von Person A.

Unterm Strich:
Ein totes Liebespaar und eine tragische Geschichte, die weltweite Berühmtheit erlangt.

Gesellschaftliche Verhältnisse, Geschlechterrollen und Beziehungen wirken in diesem Werk William Shakespeares vergleichsweise geklärt.

Kontrastierend hierzu der Aufbau seiner Komödie „Twelfth Night or What You Will“, welches seit der Premiere am 1. Oktober 2017 unter dem Titel Was ihr wollt am Mainfranken Theater Würzburg aufgeführt wird.

Person A verherrlicht, begehrt und umgarnt Person B. Jene verführt Person C, die sich wiederum in Person A verliebt hat. Um in der Nähe der vor Liebeskummer fast verzweifelten Person A zu sein, begibt sich Person C in ihren Dienst, wobei sie jedoch ihren wahren Namen und ihr natürliches Geschlecht verschweigt. Außerdem verkleidet sie sich wie Person D, mit der sie verwandt ist. Unterdies beginnt Person B Gefühle für Person C zu entwickeln, welche ihr Liebes- und Lobeshymnen von Person A, ihrem Auftraggeber, überbringt …

Unterm Strich:
Ganz schön was los.

Diese Vielzahl aus Personen, Emotionen und entstehenden Konfrontationen wird unter der Regie von Sigrid Herzog um weitere belebende Elemente ergänzt:

Der Pianist Lukas Rabe begleitet immer wieder mit kleinen musikalischen Einwürfen, Improvisationen und elektronischen Soundeffekten die Akteure auf der Bühne. Gestaltet von Alexandra Burgstaller ist jene Drehbühne des Großen Hauses mithilfe von elastischen Abtrennungen aus gespannten blauen Gummibändern um eine weitere Spielfläche – einer Art Bühne innerhalb der Bühne – erweitert. Auf die historische Entstehungszeit der Originalfassung verweisen die sog. Shakespearekragen, die zwei der Darsteller tragen. Die übrigen Kostüme – kombiniert von Veronica Silva-Klug – bestehen, jeweils passend zum Alter, Rang und Charakter der Personen, aus verschiedenen modernen Kleidungsstücken: Vom blau-grünen Sakko bis hin zum schottischen Kilt.

Diese anhand des Kleidungsstils deutlich werdenden Unterschiede finden sich auch im Umgang der einzelnen Figuren untereinander wieder:
Derbe Ausdrücke treffen auf tiefgründige Interpretationen, Trinksprüche werden Liebesgedichten entgegengesetzt, die Wahrheit wird konfrontiert mit Betrug und Lügen, das öffentliche Auftreten entspricht nicht den inneren Gefühlswelten und die Geschlechterrollen verschwimmen. Zusammen mit den ungeschminkten sowie oftmals überspitzt präsentierten Charaktereigenschaften einer jeden Figur entsteht eine sehr unterhaltsame Komik.

Das Ergebnis:
Ein witziges Durcheinander an Gefühlen und Figuren, das durch grandiose Schauspielleistungen, musikalische und textliche Variationen sowie einem hohen Grad an Ironie das Publikum bei Laune hält.

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