Geschichte des Philharmonischen Orchesters Würzburg

Bis 1814 war Würzburg eine fürstliche Residenz und als solche die Stätte einer privaten Kunstpflege, welche die Fürstbischöfe in Gestalt einer eigenen Hofmusik und zeitweise auch eines eigenen Theaters für sich gepachtet hatten. Die ersten Spuren einer Pflege von Musik und Theater am fürstbischöflichen Hofe zu Würzburg im 18. Jahrhundert reichen in die Regierungszeit Johann Philipps von Greiffenklau (1699-1719) zurück. Dieser richtete sich auf der Festung Marienberg im sogenannten weißen Saale ein Theater ein und berief zur Leitung der musikalischen Aufführungen den in Italien ausgebildeten Kapellmeister Philipp Friedrich Buchner. 

Größere Bedeutung erlangte die Kunstpflege unter dem Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746) und seinen Nachfolgern. Er hielt sich eine bereits ansehnliche Hofmusik, durch welche Opern und Singspiele sowie Oratorien, Kantaten und Instrumentalstücke zur Aufführung kamen. Eine Blütezeit erlebte dann die Musikpflege am Würzburger Hofe unter dem kunstliebenden Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779). Seine Hofkapelle leistete Vortreffliches, und außerdem ließ er 1773 mit einem Aufwand von mehr als 30.000 fl. in der Residenz ein Operntheater errichten, an dessen Aufführungen sich häufig auch fürstliche Gäste erfreuten. Während sein Nachfolger, der fromme Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal, dem weiteren Bestehen des Operntheaters in der Residenz ein Ende machte, konnte die Hofkapelle ihre künstlerische Tätigkeit fortsetzen und durfte sich auch unter der Regierung des letzten Fürstbischofs Georg Karl von Fechenbach (1795-1802) tatkräftiger Förderung erfreuen.

In der Geschichte des Würzburger Orchesters spielen immer wieder auch die Würzburger Tonkünstler eine Rolle. Der älteste unter ihnen ist Joseph Küffner (1777-1856). Er war ein Sohn des Würzburgischen Hof und Kammerkompositeurs Wilhelm Küffner und begann seine musikalische Laufbahn als Violinist in der fürstbischöflichen Hofmusik 1798 unter dem Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach. Als Sologeiger am Theaterorchester tätig, produzierte er sich auch häufig in Konzerten und machte sich als Komponist von Violinkonzerten, Polonaisen für Orchester etc. einen Namen. Valentin Hamm, geboren 1811 in Winterhausen, gestorben 1874 zu Würzburg, war ebenfalls ein vortrefflicher Violinenspieler und gehörte 40 Jahre lang dem Theaterorchester als Mitglied an. Seine solistischen Darbietungen im Theater sowie seine Direktion der Zwischenaktmusiken wurden von der Kritik häufig rühmend anerkannt.

Vom 1. Januar 1812 bis zum 31. März 1813 leitete Franz Holbein von Holbeinsberg das Würzburger Theater. Unter Holbeins Direktion durchlebte die Würzburger Bühne eine Zeit des Glanzes. Sie verfügte über treffliche Solokräfte; das städtische Orchester, aus Mitgliedern der Hofkapelle gebildet, stand unter Leitung von Friedrich Witt und Georg Valentin Roeder. Ein weiterer bemerkenswerter Direktor des Würzburger Theaters war Wendelin Weißheimer. Weißheimer leitete die Würzburger Oper während zweier Spielzeiten (1866 - 1868) und verhalf unter anderem der Aufführung des „Rienzi” von Richard Wagner am 13. Dezember 1866 zu glänzendem Erfolg.

Nach der Jahrhundertwende war Kapellmeister Schink der erste, der dem Orchester des Theaters besondere Pflege angedeihen ließ und sich nicht damit begnügte, in ihm die übliche Theaterkapelle zu sehen. Nach ihm hob ein befähigter, temperamentvoller Musiker, Dr. Erich Falkmann, das Orchester auf ein so bedeutsames künstlerisches Niveau, daß selbst anspruchsvolle Werke wie zum Beispiel „Salome” von Richard Strauss und „Tristan und Isolde” von Richard Wagner vorzügliche Aufführungen erfuhren. In diese Zeit fallen schon erste Versuche, mit Symphoniekonzerten, die bisher nur vom Staatskonservatorium durchgeführt wurden, an die Öffentlichkeit zu treten. Es blieb aber dem begeisterten und hochbefähigten Dirigenten Hans Oppenheim vorbehalten, das Theaterorchester in den Mittelpunkt des Würzburger Konzertlebens zu stellen, in starker Konkurrenz zu den Konzerten des Staatskonservatoriums. Die Symphoniekonzerte dieser künstlerisch so fruchtbaren Zeit fanden überall begeisterten Widerhall. Bedeutende Dirigenten konnten wiederholt als Gäste gewonnen werden, unter ihnen Bruno Walter und Hans Knappertsbusch. Sogar Richard Strauss folgte der Aufforderung freudig, eine Aufführung seiner „Ariadne auf Naxos” im Würzburger Theater zu leiten.

Von den späteren Dirigenten sei besonders an Cornelius Monse erinnert, dessen unermüdlicher künstlerischer Einsatz dem alten Würzburger Theater am heutigen Faulhaberplatz bis zu seiner Zerstörung eine Blütezeit bescherte. Cornelius Monse gebührt auch der Verdienst, sehr schnell in dem Behelfstheater am Wittelsbacherplatz sein Orchester wieder geformt zu haben. Einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte des Orchesters markiert die Eröffnung des neuen Stadttheaters am 4. Dezember 1966 mit „Die Meistersinger von Nürnberg” von Richard Wagner. Neben dem Konzertsaal der Hochschule für Musik ist dies die Heimstätte des Orchesters geworden, das aus dem Musikleben der Universitätsstadt nicht mehr wegzudenken ist.

Seit der Spielzeit 1991/92 bis zum Ende der Spielzeit 1999/2000 stand Jonathan Seers dem Philharmonischen Orchester Würzburg als Generalmusikdirektor vor. Seers, der in dieser Funktion gleichzeitig auch als künstlerischer Leiter des Mozartfestes der Stadt Würzburg tätig war, ist es gelungen, dem Orchester durch bemerkenswerte Aufführungen etwa von „Tristan und Isolde” (Wagner), „Boris Godunow” (Mussorgski) oder „Die Nase” (Schostakowitsch) überregionale Aufmerksamkeit zu verschaffen. In den Sinfoniekonzerten bescherte er dem Würzburger Publikum manche Erstaufführung, wie zum Beispiel mit der 3. Sinfonie „Jeremia” von Bertold Hummel, von der auch eine CD-Aufnahme erhältlich ist.

Neue Wege beschritt das Orchester unter der Leitung von Seers mit der Realisierung von gemeinsamen Jazzkonzerten, so zum Beispiel in musikalischen Crossover-Projekten mit dem Jazztrio "On The Corner" featuring Benny Bailey oder mit dem amerikanischen Saxophonisten Charlie Mariano. Auch die Zusammenarbeit mit dem Jazz-Trio "On The Corner" ist auf einer bemerkenswerten CD-Produktion dokumentiert, die auch heute noch erhältlich ist. Nach dem Weggang von Jonathan Seers, der sich neuen künstlerischen Herausforderungen stellen wollte, wurde das Philharmonische Orchester Würzburg ab der Spielzeit 2000/2001 von Daniel Klajner geleitet. 

Seit der Spielzeit 2011/2012 steht das Philharmonische Orchester Würzburg unter der Leitung von Generalmusikdirektor Enrico Calesso. Neben zahlreichen Produktionen im Großen Haus bietet das Orchester in jeder Spielzeit ein musikalisch abwechslungsreiches Konzertprogramm. In den vergangenen Jahren standen zahlreiche hochkarätige Gastdirigenten am Pult des Philharmonischen Orchesters, darunter Marcus Bosch, Marc Tardue oder Patrick Fournillier. Zudem konzertierten in den zurückliegenden Spielzeiten namhafte Solisten wie Khatia Buniatishvili, Albrecht Mayer, Augustin Hadelich, Sanja Anastasia,Gianluca Terranova, Thomas Mohr, Tatjana Vassiljewa, Karl-Heinz Schütz, Patrick de Ritis oder Bernd Glemser.