SchauLust

Herzlich willkommen zu #SchauLust! Hier erfahrt ihr, was sich auf, vor und hinter der Bühne des Mainfranken Theaters alles tut. Eine Gruppe von Schüler*innen und Student*innen kritisiert, protokolliert und informiert regelmäßig über Inszenierungen, Berufsfelder am Theater und das Publikum. Ehrlich, kompetent und unabhängig. HIER geht’s zu ihren Beiträgen.


Bei #SchauLust sind in der Spielzeit 17/18 dabei:

 

Jacqueline Braun
Jacqueline Braun, geboren 1993 in Bad Mergentheim, studierte nach dem Abitur Germanistik und Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Nach ihrem Bachelorabschluss 2017 beginnt sie ihr Masterstudium im Bereich Buchwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Neben der universitären Laufbahn beschäftigt sie sich mit den verschiedenen Aspekten des Schreibens: journalistisch, kreativ, im Werbebereich und nicht zuletzt mit dem Verfassen von Kritiken am Mainfranken Theater seit der Spielzeit 2016/17.

Lieblings-Theater-Moment:
Ich sitze im Mainfranken Theater und bewundere das Schauspiel GIFT. Ich nehme jedoch nur wahr, dass Sie gerade vor meinen Augen von der Bühne gegangen ist – endgültig. Im Saal und auch bei Ihm: gedrückte Stimmung. Ich weiß nicht wie es weitergehen soll, versuche Antworten für die Fragen der letzten 90 Minuten zu finden und kann über ihren Abgang nur den Kopf schütteln. Ist das ihr Ernst? So?
Dann beginnt sehr langsam und sehr zögerlich der erste Zuschauer zu applaudieren. Applaus? Zuschauer? Oh, genau wie ich. Ich nehme wahr, wie auch ich inzwischen klatsche und werde mir bewusst, dass hier kein Gespräch, sondern ein Stück zu Ende ist. Die Figuren waren so greifbar, ich würde fast sagen echt, dass ich mich manchmal selbst zu beobachten glaubte. Gut für die Schauspieler – schlecht für mich. Aber ich habe etwas gelernt. Etwas über mich und meine Konflikte. Und die Konflikte die ich mit anderen führe. Ich kann also etwas mitnehmen und darauf kommt es doch an?

 

 

Jonathan Oßwald
Jonathan Oßwald wurde 2000 geboren und besucht zurzeit die zwölfte Jahrgangsstufe des Johann-Schöner-Gymnasiums in Karlstadt. Im Jahr 2015 absolvierte der gebürtige Würzburger bereits ein Praktikum im Malersaal des Mainfranken Theater Würzburg. In der Spielzeit 17/18 schreibt er wieder Rezensionen für den Kritik-Blog Schaulust.

Lieblings-Theater-Moment: „Zum Glück gibt es Papa“
Nach langer Suche hat er es endlich geschafft. Nun wir einer seiner größten Wünsche in  Erfüllung gehen. Er muss nur noch seine gesammelten Münzen im Wunschfeld vergraben. Nichts leichter, als das: Pinocchio kniet sich und beginnt eifrig die Gulden im Boden zu verscharren. Völlig vertieft bemerkt er nicht, wie die Füchsin sich anschleicht. Auch der Kater lugt unbemerkt hinter dem Baum hervor. Seine Vorfreude, die Pinocchio unbekümmert weitergraben lässt, wird ihm plötzlich zum Verhängnis: Die Angreifer kommen gleichzeitig aus ihrer Deckung und fallen über den Holzjungen her. Vollkommen überrumpelt findet jener sich wenig später gefesselt, ausgeraubt und verlassen wieder. Sein Anblick löst nicht nur bei den kleinen Zuschauern Mitleid aus. Leises Gemurmel und feuchte Augen. „Nein, er ist nicht tot!“ Die Stimme eines Vaters unterbricht eindringlich die andächtige Stille, was nicht nur die allgemeine sowie familiäre Situation entspannt, sondern auch hier und da ein Lachen ertönen lässt.

 

Konstantin Kobel
Konstantin Kobel wurde 2000 geboren und besucht derzeit die zwölfte Jahrgangsstufe des Johann-Schöner-Gymnasiums Karlstadt. Bislang beschäftigte er sich hauptsächlich mit Musik und nebenbei versuchte er sich im kreativen Schreiben. Durch das Schreiben von Kritiken auf dem SchauLust-Blog möchte er etwas Neues ausprobieren.

Lieblings-Theater-Moment: „Augen auf!“
Die Darsteller verbeugen sich das letzte Mal, dann schließt sich der Vorhang – DRAUSSEN VOR DER TÜRist zu Ende. Das Publikum verlässt die Plätze und drängt zu den Ausgängen. Nicht so die Reihe, in der ich sitze. Grund dafür? Ein älterer Herr, der seinen Sitznachbarinnen eine Geschichte erzählt. Ich bleibe sitzen und höre ebenfalls zu.
Er erzählt von seinem mehr als neunzigjährigen Onkel, dessen Erlebnisse aus dem Krieg ihm gerade eben auf der Bühne wieder begegnet sind. Er führt die Geschehnisse der Bühne weiter und das zeigt: Krieg ist nicht einfach vorbei. Krieg gibt es auch heute noch, Soldaten aus dem 2. Weltkrieg gibt es heute noch. Nicht nur Borcherts Stück ist uns erhalten geblieben. Wer sich einen Moment Zeit nimmt, der findet überall Denkmäler und Überreste von Kriegen. Wer sofort aus dem Theater flieht und gedanklich schon in der Gaststätte ist, dem entgeht, dass die Geschichte weiter geht. In diesem Moment wird mir bewusst: Genau diese Aufmerksamkeit will das Stück schaffen.

 

Tabea Görlich
Tabea Görlich, 2000 in Würzburg geboren, macht derzeit ihr Abitur am Johann-Schöner-Gymnasium Karlstadt. Neben der Schule beschäftigt sie sich mit Musik und spielt in mehreren kleinen Orchestern. Sie beteiligt sich in der Spielzeit 17/18 erstmals an dem Blogprojekt SchauLust.

Lieblings-Theater-Moment: „Sound of Silence“
Ich sitze auf einem Platz im Parkett. Das Orchester hat bereits begonnen zu stimmen. Um mich herum murmelt das Publikum heiter vor sich hin. Was gesagt wird, geht in dem Stimmengewirr unter und obwohl fast jeder spricht, kommt es mir in dem großen Raum doch angenehm ruhig vor. Gelegentlich stehe ich auf, um anderen Zuschauern den Durchgang zu ermöglichen. Diese spontane Übung bereitet mir wenig Freude und ich frage mich, ob ich zu früh an meinen Platz gegangen bin, oder ob die Anderen zu spät sind. Langsam wird das Licht gedimmt. Die Zuschauer hören auf zu sprechen, und einige stellen, der vertrauten Durchsage folgend, ihr Smartphone auf lautlos. Den Dirigenten kann ich von meinem Platz aus nicht sehen, doch als das Publikum beginnt zu klatschen, kann ich mir denken, dass er eben an sein Pult getreten sein muss. Der Applaus verebbt und wieder setzt ein erwartungsvolles Schweigen ein. Auch ich warte gespannt auf den Auftakt der Ouvertüre. Eine so angenehme Stille gibt es nur im Theater.

 

Ulrike Meyer
Ulrike Meyer, 1994 in Künzelsau geboren, kam 2013 zum Studieren nach Würzburg. Nach einem Fachwechsel zum Wintersemester 2014 studiert sie BA Germanistik und Kunstpädagogik. Nach ihrer Teilnahme in den letzten beiden Runden des Blogprojekts beteiligt sie sich auch in dieser Spielzeit.

Lieblings-Theater-Moment: „An das Theaterpublikum“
Ich bin die, die meistens alleine kommt, mit Karoblock und Kugelschreiber in der Vorstellung sitzt und im Dunkeln Notizen vor sich hinkritzelt. Für diesen Text sollte ich meinen Lieblings-Theatermoment in Worte fassen und – ganz ehrlich, ich habe lange darauf gewartet, dass er mir begegnet. Bis vor kurzem mein Nebensitzer, ein älterer Herr in Bundfaltenhosen und Budapester, plötzlich sein Skizzenbüchlein herausholte und zu zeichnen begann: Die Frau hinten links mit dem bunten Tuch, ihre Freundin mit der Perlenkette, den Mann mit Brille in der ersten Reihe. Ich konnte gar nicht anders als seinen Stift zu beobachten, wie er über das Papier huschte. Dabei wurde mir klar: Theater ist nicht nur was auf der Bühne passiert, es sind die Besucher, die es zum Leben erwecken. Und so ist jeder kleine Huster, jedes Lachen, jedes Stirnrunzeln, jeder Applaus, jede Träne im Publikum ein kleiner Lieblingsmoment. Denn ich weiß: Ich komme zwar allein, bin es aber im Theater nie.

 

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