Maßanfertigungen für die Bühne

von Florian Kurz |

Schauspielerinnen schreiten in prächtigen Kleidern über die Bühne, Tänzer drehen in fantasievollen Anzügen ihre Pirouetten – stimmige Kostüme tragen viel zur Atmosphäre einer Theatervorstellung bei. In den Kunstwerken aus Stoff, die in der theatereigenen Schneiderei entstehen, stecken viele Stunden Arbeit.

Das weiß auch Franz Schlötter, Leiter der Herrenschneiderei am Mainfranken Theater. Zusammen mit seinen drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der gelernte Schneider dafür verantwortlich, dass die Kostüme pünktlich fertig werden und die Schauspieler sich darin wohlfühlen. „Die Kleidung muss perfekt sitzen“, begründet Schlötter die Herstellung per Hand. Ein Anzug von der Stange biete dem Schauspieler zu wenig Komfort, denn der Künstler müsse sich auf der Bühne frei bewegen können. Wenn es da an den Schultern zwickt oder die Hose an den Knien schlackert, sei es schnell vorbei mit der überzeugenden Darstellung. „Im Ballett ist natürlich auch ausreichende Bewegungsfreiheit enorm wichtig“, sagt Schlötter. Aber auch eine Sängerin hat Schwierigkeiten, eine Arie in einem Outfit zu singen, das ihr die Luft abschnürt. „Manchmal kommt es auch vor, dass ein Darsteller den Anzug anschließend kaufen möchte“, erzählt Schlötter – so angenehm fühlt sich ein perfekt sitzendes Sakko an. In der Regel landet der Anzug jedoch im Fundus des Theaters, wo die Kostüme auf ihren neuen Einsatz warten.

Manchmal reicht es auch schon aus, nur ein paar Änderungen vorzunehmen. Das ist bei Theaterkleidung leichter als bei Alltagskleidung, weil die Theaterschneider die Stücke nach besonderen Regeln herstellen. Sie achten beispielsweise darauf, genug Saum zuzugeben, also genug Stoff überstehen zu lassen und im Inneren der Kleidung zu verstecken. Dadurch lässt sich eine Hose leicht um zehn Zentimeter verlängern oder verbreitern, je nach Darsteller.

Franz Schlötter, Leiter der Herrenschneiderei

Die Theaterschneiderei arbeitet dabei natürlich nicht unabhängig vom restlichen Betrieb. Die Entwürfe für die Kostüme stammen von Kostümbildnerinnen und Kostümbildnern, die Bilder aussuchen oder sogenannte „Figurinen“ erstellen. Auf diesen skizzenhaften Zeichnungen sind Form, Farbe und Besonderheiten der Kleidungsstücke dargestellt, bereits abgestimmt auf die jeweilige Besetzung der Rolle. Anhand dieser Vorlagen lassen die Schneiderinnen und Schneider die Ideen dann Wirklichkeit werden. Auch Schlötter sitzt manchmal noch an der Nähmaschine, obwohl er vor allem mit der Organisation der Herrenschneiderei betraut ist. Er muss darauf achten, dass alles rechtzeitig fertig wird, was bei den sich überschneidenden Produktionen keine leichte Aufgabe darstellt. Da kann es schon mal vorkommen, dass er mittags mit der Kostümbildnerin neue Figurinen besprechen muss, eine halbe Stunde später einen Anprobe-Termin hat und danach eine Umbesetzung einkleiden muss – denn wenn einer der Darsteller krank wird, übernimmt natürlich jemand anders dessen Rolle. Und der hat meistens auch andere Maße.

Bei ungefähr 20 Premieren im Jahr fällt da einiges an Arbeit an. „Stressresistent muss man als Schneider am Theater schon sein“, warnt Schlötter alle, die sich für diesen Beruf interessieren. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viele Kostüme durch die Hände der Schneider gehen, kann die Produktion Nabucco als Beispiel dienen: Darin treten, zusätzlich zu den Solisten, auch Opernchor und Extrachor des Mainfranken Theaters auf. Das ergibt ungefähr 30 bis 35 Darsteller, die allein die Herrenschneiderei einkleiden muss – bei drei bis fünf verschiedenen Kostümen pro Darsteller ergibt das ungefähr 120 Kostüme. Viel zu tun für die Theaterschneider, „aber eine Panne hat es noch nie gegeben“, betont Schlötter, der seit 1983 am Mainfranken Theater arbeitet. Überhaupt komme es nur „sehr, sehr selten“ vor, dass irgendeine kleinere Änderung erst am Tag der Premiere fertig würde. Im Normalfall versorgt Schlötters Team die Schauspieler, Sänger und Tänzer rechtzeitig mit passenden Kostümen – damit die Künstler sich wohl fühlen und die Zuschauer den Anblick genießen können.

One Comment

  1. Sehr fleißig am designen die Theaterschneiderei, da ist es auch nicht verwunderlich, woher immer diese schönen Gewänder in den Aufführungen kommen. 😉

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