Wer verbirgt sich hinter der Maske?

Nicole Madeleyn

Ein Gespräch von Jonathan Oßwald mit Maskenbildnerin Nicole Madeleyn |

Masken, Schminke, Special Effects, angeklebte Bärte, Ohren oder Nasen aus Silikon – die Arbeit in der Maske eines Theaters hat viele Facetten. Seit acht Jahren gestaltet und begleitet Nicole Madeleyn die Inszenierungen am Mainfranken Theater. Ein Gespräch über ihren Weg nach Würzburg, ihren Beruf als Maskenbildnerin und ihre nebenberuflichen Aktivitäten.

Wie bist du ans Mainfranken Theater gekommen?
Ursprünglich stamme ich aus Augsburg, wo ich die Waldorfschule besuchte. Nach meiner Schulzeit absolvierte ich in München eine Friseurausbildung. In meinem letzten Jahr an der FOS habe ich mich deutschlandweit an verschiedenen Theatern für einen Ausbildungsplatz beworben und bin seit 2009 hier am Mainfranken Theater.

Welche Rolle spielte das Theater in deiner Jugend?
Als Jugendliche interessierte mich das Theater eher weniger. Mein Jugendabo, das ich mit 14 Jahren bekommen habe, habe ich nur ein oder zwei Mal genutzt.

War Maskenbildnerin von Anfang an dein Traumberuf?
Weder Schminken noch Frisieren hat mich damals wirklich interessiert. Erst nach einem achtwöchigen Praktikum in der Maske des Theaters Augsburg habe ich beschlossen, Maskenbildnerin zu werden.

Wie läuft eine Ausbildung zur Maskenbildnerin ab?
Meine praktische Ausbildung habe ich hier in Würzburg gemacht, allerdings musste ich drei Mal im Jahr für den Theorieunterricht an die Berufsschule nach Baden-Baden, der dort in vierwöchigem Blockunterricht stattfand. Die Themen meiner späteren Abschlussprüfung waren zwar vorgeschrieben, jedoch konnte ich meiner Fantasie freien Lauf lassen, was mir besonders Spaß gemacht hat. Die zwei Tage Prüfung haben mir auch gezeigt, welche Gemeinschaft am Theater herrscht, da ich von allen meinen Kollegen unterstützt wurde. Das war eine sehr schöne Erfahrung, die meine Arbeit hier sehr geprägt hat.

Welche persönlichen Fähigkeiten oder Eigenschaften sind für den Beruf des Maskenbildners wichtig?
Zunächst einmal sind künstlerische Begabung, viel Kreativität und ein Blick für Ästhetik wichtig. Außerdem muss man gut mit Menschen umgehen können, da man in diesem Beruf täglich mit verschiedenen Personen, wie zum Beispiel Darstellern oder Ausstattern, zusammenarbeiten muss.

Wie viel Raum bleibt dabei für eigene Ideen oder die eigene Phantasie?
Das ist von Produktion zu Produktion unterschiedlich. Haben die Ausstatter ganz konkrete Vorstellungen, ist die eigene Kreativität sehr eingeschränkt und man muss gegebenenfalls etwas umsetzen, was einem persönlich nicht gefällt. Außerdem kann es immer passieren, dass beispielsweise die aufwändig gestaltete und in mehrtägiger Arbeit hergestellte Perücke noch vor der Premiere wegfällt.

Birgt dein Beruf besondere Herausforderungen?
(überlegt) Generell ist es immer aufregend und unsicher, inwiefern alles so klappt, wie es geplant ist. Auf der einen Seite ist es furchtbar, wenn mal eine Glatze verrutscht oder die angeklebte Nase plötzlich schief hängt. Auf der anderen Seite müssen sich die Schauspieler auch einigermaßen wohl fühlen und sich ungehindert bewegen können. Kurze Zeitfenster zum Umziehen während eines Auftritts, wie zum Beispiel bei Die Päpstin: Das Ballett, bedeuten jedes Mal Momente höchster Anspannung. Sollte dabei etwas schief gehen, müsste der Darsteller ohne vollständiges Kostüm auf die Bühne, was sehr peinlich wäre. Deshalb ist dieser Beruf durchaus auch mit Hoffen und Bangen verbunden.

Wie viel Zeit beansprucht die Herstellung einer Perücke?
Um eine Perücke zu knüpfen, brauche ich circa 40 Stunden. Allerdings verwenden wir auch alte Exemplare, anstatt neue anzufertigen. Unser Fundus umfasst mehr als 200 Stück. Für Jesus Christ Superstar beispielsweise tragen die Schauspieler bereits verwendete Perücken, die zum Teil bunt nachgefärbt wurden.

Wie lange braucht ihr für das Schminken der Schauspieler?
Das hängt immer von der Anzahl der Schauspieler und dem Stück ab. Bei einem Chor von 40 bis 50 Personen schminken wir zu acht circa 1,5 Stunden. Die Dauer ist auch davon abhängig, wo die Aufführung stattfindet und wie aufwändig die Ausstattung ist. Auf der großen Bühne wird der Ansatz einer Perücke oder ein geklebtes Ohr selten erkannt, da das Publikum von der Bühne weiter entfernt sitzt. Besuchern der Kammer, die in der ersten oder zweiten Reihe sitzen, fällt so etwas natürlich auf. Bei Kammerstücken versuchen wir deswegen möglichst wenig Make-Up, Schminke oder Ähnliches zu verwenden, oder diese so natürlich und unauffällig wie möglich zu gestalten.

Gehst du gerne ins Theater oder kannst du die Schauspieler nicht mehr sehen, weil sie ständig in der Maske vor dir sitzen ?
Ich versuche, so viele Aufführungen wie möglich zu besuchen. Im Publikum zu sitzen, ist für mich immer dann besonders spannend, wenn ich etwas Neues ausprobiert habe und ich mir noch nicht sicher bin, ob zum Beispiel alles hält oder wie es aus der Zuschauerperspektive aussieht. Allerdings stehe ich auch häufig hinter der Bühne, da auch während einer Aufführung das Team der Maske gebraucht wird, um den Schauspielern beim Umziehen zu helfen oder sie neu zu schminken. Die Päpstin: Das Ballett habe ich beispielsweise noch nie von vorne gesehen, da bei diesem Stück schon nach zehn Minuten der erste Kostümwechsel meine Anwesenheit hinter der Bühne erforderlich macht.

Hast du geregelte Arbeitszeiten?
Die Arbeitszeiten sind jede Woche anders, da auch die Vorstellungen Woche für Woche unterschiedlich angesetzt sind. Flexibilität ist in meinem Beruf sehr wichtig. Es kann nämlich immer vorkommen, dass ich für eine Kollegin einspringen muss, auch wenn ich eigentlich frei hätte.

Wo kann man dich außerhalb des Theaters am ehesten treffen?
In der Boulder-Halle (Bouldern ist eine Klettersportart, bei der man sich ohne Seil auf Absprunghöhe entlang künstlicher oder natürlicher Felsen hangelt, Anmerk. d. Red.). Das ist zwar kein typisches Hobby für eine Maskenbildnerin, weil die Fingernägel darunter leiden, doch das ist mir egal (lacht).

 Zusammen mit deiner Kollegin Nadja Akra und einigen Fotografen hast du 2015 den Blog „NNMaskenbildner“ mit ins Leben gerufen. Was ist die Idee dahinter?
Neben unserer Teilzeitstelle am Theater möchten wir uns auch nebenberuflich künstlerisch betätigen und unsere Fähigkeiten einsetzen. Wir beraten Bräute in Bezug auf Frisur und Make-Up, helfen den Fotografen bei diversen Shootings und arbeiten für Film und Fernsehen.

Weitere Informationen zu Nicole Madeleyn und ihrer Arbeit:
http://www.mainfrankentheater.de
http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/ich-machs/im-maskenbildner100.html
https://nnmaskenbildner.com/

2 Comments

  1. Nicole Madeleyn

    Hallo Ann-Katrin, ich bin Nicole die das Interview gegeben hat, vielen dank dafür, Jonathan hat das echt gut geschrieben.
    Mir ist nur aufgefallen, dass man die Links am Ende nicht anklicken kann. Da wollte ich mal fragen ob es möglich wäre das zu ändern oder ist das gewollt um keine „Werbung“ zu machen?
    Liebe Grüße, Nicole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.