Vom Anfang und Ende des Seins

Das Format Laboratorium Tanz kehrt am 26. Januar ans Mainfranken Theater zurück: Cara Hopkins, Aleksey Zagorulko und Leonam Santos aus der Ballettcompagnie stellen ihre eigenen Choreografien vor. In ihren Arbeiten beschäftigen sie sich mit Religion(en) und Glaubensfragen, dem übergeordneten Thema dieser Spielzeit. Wir haben mit den Choreografen über ihre Stücke gesprochen.

Aleksey Zagorulko, Cara Hopkins & Leonam Santos

Was darf das Publikum bei euren drei Stücken erwarten?

Cara: In meiner Choreografie geht es um die Figur der Jeanne d’Arc. Auch wenn die Stimmung des Stücks eher historisch geprägt ist, so finden sich gerade bei der Auswahl der Kostüme und in der Gestaltung der Bühne moderne Elemente. Anhand der Figur der Jeanne d’Arc, einer starken Frau mit einem unbändigen Willen, möchte ich den Zuschauern vermitteln, dass man niemals aufgeben und immer an sich glauben sollte. So wie es auch Jeanne d’Arc getan hat.

Aleksey: Mein Ziel ist, dass die Zuschauer meine Geschichte verstehen. Meine Choreografie stellt den Schöpfungsmythos anhand von vier Personen dar: Gott und Teufel sowie Adam und Eva. Im Zentrum der Aufführung steht die Botschaft des Lebens als Geschenk Gottes. Dafür habe ich besonders schöne Musik ausgewählt, unter anderem Ausschnitte aus der „Sinfonia concertante“ von Wolfgang Amadeus Mozart sowie aus Ludwig van Beethovens siebter Sinfonie.

Leonam: Meine Choreografie ist sehr dramatisch gestaltet, weil sie autobiografische Elemente enthält. Es geht dabei um die Geschichte meiner Familie. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen meine Mutter und meine Geschwister. Ein Großteil der Aufführung dreht sich um die Zeit vor dem Tod meiner Mutter. Das Stück ist deshalb auch sehr intensiv, vor allem für mich persönlich.

Wie habt ihr die einzelnen Stücke zu einer Collage montiert?

Aleksey: Noch sind es eher drei getrennte Stücke, die noch zusammengesetzt werden müssen. Die Choreografien befinden sich noch im Entstehungsprozess, und derzeit proben wir vor allem die Bewegungsabläufe. Aber natürlich liegt dem ganzen Ballettabend ein gemeinsames Thema zugrunde. Zudem arbeiten wir auch alle mit demselben Team. Jetzt muss nur noch alles aufeinander abgestimmt werden.

Leonam: Eigentlich lief die Entwicklung unserer Stücke unabhängig voneinander ab, wir hatten keinen direkten Kontakt untereinander, da wir auch in unterschiedlichen Räumen proben. Unsere Geschichten unterscheiden sich auch sehr, und deshalb sind sie abgetrennt zu verstehen. Das ist andererseits aber für die Zuschauer auch sehr interessant, da sie so an einem Abend gleich drei gänzlich unterschiedliche Stücke zu sehen bekommen.

Wie ist es, von der Rolle des Tänzers in die eines Choreografen zu wechseln?

Leonam: Ich habe bereits zu Schulzeiten kleinere Tänze mit meinen Mitschülern choreografiert. Das Choreografieren war immer das, was ich gerne machen wollte, da man dort seine Kreativität ausleben kann. Was aber gleichzeitig herausfordernder ist als in der Rolle des Tänzers, ist, dass ich ja normalerweise zusammen mit den anderen tanze. Es fällt mir deshalb manchmal schwer, in den Proben noch mehr von ihnen zu fordern, wo ich doch danach wieder mit ihnen zusammen tanze (lacht).

Aleksey: Es ist sehr interessant, selbst zu choreografieren, weil ich bisher damit noch keine Erfahrung sammeln konnte. Mir gefällt vor allem, dass mir viele Freiheiten in Bezug auf Bühnengestaltung, Kostüme und Musik gegeben sind. Besonders schön ist es für mich, selbst die Musik zu meiner Choreografie auszuwählen. Aber natürlich steckt auch sehr viel Arbeit dahinter, und die Proben sind sehr intensiv.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer eigenen Choreografie?

Cara: Als Choreografin muss man an so viele Dinge denken, die man als Tänzer als selbstverständlich annimmt. Es sind insgesamt ja doch viele Leute aus den verschiedenen Abteilungen Bühne und Kostüm, Licht, Inspizienz, Ballettrepetition und Dramaturgie beteiligt. Das ist auch sehr hilfreich, da man so verschiedene Meinungen hört und auf Verbesserungsvorschläge eingehen kann. Meine Aufgabe ist es dabei, das Stück zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammenzuführen.

Leonam: Bei meiner Choreografie ist vor allem die Tatsache schwierig, dass es sich um eine persönliche Geschichte aus meinem Leben handelt. Wenn ich die anderen auf der Bühne tanzen sehe, ist es so, als würde ich die einzelnen Momente noch einmal durchleben. Das ist sehr bewegend für mich. Und es hat mich manchmal in gewisser Weise auch blockiert, da das Ganze dann schnell sehr realistisch wurde.

Der Ballettabend findet in der Kammer des Hauses statt. Welche Grenzen gibt es hierbei?  

Cara: Ich habe versucht, den wenigen Platz in der Kammer optimal auszunutzen und die Bewegungen der Bühne anzupassen. Ich finde die kleine Bühne gar nicht schlecht. Man ist näher am Publikum dran und schafft so eine intimere Atmosphäre. In meinem Stück laufen die Tänzer beispielsweise auch durch die Publikumsreihen. Man muss dann aber natürlich auch mehr mit dem Gesichtsausdruck und der Mimik arbeiten.

Aleksey: Im Großen Haus fände ich es natürlich besser, da man dort deutlich mehr Bewegungsfreiheit und Möglichkeiten hat. Ich sehe da nicht ganz so viele Vorteile wie Cara (lacht).

Leonam: Ich hätte meine Geschichte auch lieber auf der großen Bühne aufgeführt. In der Kammer sind zum Beispiel keine großen Hebungen möglich, da der Raum doch sehr begrenzt ist. Ich selber bin ich auch sehr groß, weshalb größere Bewegungsausschläge absolut unmöglich sind. Das habe ich in meiner Choreografie bedacht, und so fallen die Bewegungen doch eher klein aus. Andererseits sieht das Publikum mehr von den Tänzern und kann die in diesem Fall reduzierten Bewegungen detaillierter wahrnehmen.

Das Oberthema des Formats Laboratorium Tanz sind Religion(en) und Glaubensfragen. Wie habt ihr eure Stücke jeweils ausgewählt?

Leonam: Die Anfrage, ob ich selbst ein Stück choreografieren möchte, kam von Anna Vita in der vergangenen Spielzeit. Zuerst wollte ich unbedingt eine biblische Geschichte auf die Bühne bringen, da mein Leben sehr von Religion geprägt ist und der Kontakt zur Kirche sich durch mein gesamtes Leben zieht. Diese Idee habe ich dann aber verworfen, da ich doch lieber etwas Persönliches vertanzen wollte. So wirklich auf die Idee zu meiner Choreografie kam ich nach einem Telefonat mit meinem Bruder, als wir über unsere Mutter sprachen. Außerdem war auch sie ein sehr gläubiger Mensch, was wiederum sehr gut zum Thema des Abends passt.

Aleksey: Bei mir war es eher eine spontane Eingebung, die mir gleich sehr gut gefallen hat. Dabei bin ich dann geblieben.

Cara: Als Kind habe ich bereits die Jeanne d’Arc getanzt. Deshalb hatte ich die Idee im Hinterkopf. Mir war auf jeden Fall klar, dass ich eine historische Geschichte, die die Menschen bewegt, auf die Bühne bringen will. Außerdem gibt es sehr viele Filme und Bücher mit Informationen zu dem Thema, die ich in das Stück einfließen lasse. Als ich die Musik zu meinem Stück, „Voices of Light“ von Richard Einhorn hörte, sah ich bereits die Bewegungen dazu vor meinen Augen.

Das Gespräch führte Ann-Katrin Neeb.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.