Von der Kinoleinwand auf die Bühne des Mainfranken Theaters

Der gebürtige Kitzinger Wolfram Rupperti übernimmt in der „Entführung aus dem Serail“ die Rolle des Bassa Selim. Für diese Partie kehrt Rupperti, der seit 2011 ein Festengagement beim Residenztheater München hat, in seine Heimat zurück. Wir haben mit ihm über seine Rückkehr, seine erste Opernrolle und seinen aktuellen Kinofilm gesprochen.

Wolfram RuppertiDu kehrst für ein Gastspiel in deine unterfränkische Heimat zurück und spielst ab dem 27. November zum ersten Mal überhaupt im Mainfranken Theater. Was verbindest du mit Würzburg und speziell mit der Bühne der Stadt?

Ich wurde hier ganz in der Nähe, im unterfränkischen Kitzingen, geboren und habe in Würzburg die Waldorf-Schule besucht. Außerdem habe ich auch meine erste Theateraufführung, „Des Kaisers neue Kleider“, im Mainfranken Theater besucht, als ich fünf Jahre alt war. Deshalb ist es natürlich besonders aufregend, hier nun zum ersten Mal selbst auf der Bühne zu stehen. Den Wunsch, Schauspieler zu werden, hatte ich bereits, seitdem ich zwölf war und zum ersten Mal selbst in dem Theaterstück „Perseus“ den bösen König spielte. Zuvor wollte ich unbedingt Antiquitätenhändler werden, aber nach den ersten Erfahrungen auf der Bühne konnte ich mir fortan keinen besseren Beruf mehr vorstellen. Und das ist glücklicherweise auch bis heute so geblieben. Eine gewisse Aufregung ist auch nach 26 Jahren als Schauspieler natürlich immer noch da. Diese legt sich aber nach wenigen Minuten auf der Bühne wieder, und dann macht es einfach nur Spaß. Ich freue mich nun übermorgen auf die Premiere von „Die Entführung aus dem Serail“!

Du arbeitest auch erstmals mit deiner ehemaligen Schauspiellehrerin Sigrid Herzog zusammen, bei der du an der Otto-Falckenberg-Schule in München Schauspiel studiert hast. Was schätzt du besonders an der Zusammenarbeit mit ihr?

Sigrid Herzog und ich haben uns schon vor Beginn meines Schauspielstudiums bei einer Probenarbeit kennengelernt. Als ich damals an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule mein erstes Vorsprechen überhaupt hatte, wurde ich sofort angenommen. Bevor es dann jedoch so richtig losging, hatte ich vorab eine erste Probestunde, in der ich einen Monolog lernen musste. Diese Probe absolvierte ich zusammen mit Sigrid Herzog, die ich später auch in meiner Schauspielausbildung als Lehrerin hatte. Bereits zu diesem Zeitpunkt gestaltete sich die Zusammenarbeit sehr angenehm, und daran hat sich auch bis heute nichts geändert! Ich schätze an der Arbeit mit Sigrid Herzog vor allem, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Regisseuren den Schauspielern viele Freiheiten gibt. Sie versteht es, einen Rahmen vorzugeben und dennoch Raum zu lassen, um sich in seiner Rolle zu entfalten. Sie gibt keine strengen Vorgaben in Bezug auf die Rolle, sondern versteht es vielmehr, eine Atmosphäre für das Stück zu schaffen.

Das Besondere an deinem Gastspiel ist auch, dass du als Schauspieler zum ersten Mal überhaupt in einer Opernproduktion mitwirkst. Natürlich wirst du in „Die Entführung aus dem Serail“ nicht singen, aber du hast einen eigenen Monolog erhalten, der extra in das Stück geschrieben wurde. Ist es schwieriger für dich, in einer Opernproduktion mitzuwirken?

Am Anfang haben sich die Proben eigentlich kaum vom „normalen“ Ablauf bei Schauspielproduktionen unterschieden. Da Sigrid Herzog ja vor allem auch als Schauspielregisseurin tätig ist, fühlte sich anfangs alles wie immer an. Als irgendwann dann die Opernsänger anfingen, ihre Arien zu schmettern, war ich zu Beginn doch leicht irritiert. So musste ich beispielsweise Silke Evers, die die Partie der Konstanze übernimmt, im Arm halten, wobei sie gleichzeitig aber singt. Das Kunststück ist es hierbei, die Geschichte des Stücks weiterzuerzählen und nicht aus seiner Rolle zu fallen. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und ich muss sagen, dass es sehr viel Spaß macht, in einer Opernproduktion mitzuwirken. Die Oper hat eben ihre ganz eigenen Gesetze.

Du hast schon öfter in TV-Produktionen mitgewirkt und bist derzeit auch in der aktuellen Kinokomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ von Simon Verhoeven zu sehen. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit für das Fernsehen beziehungsweise Kino vom Theaterspielen?

Beim Theater ist es so, dass man mehr Präsenz zeigen und den Raum mit seiner Stimme ausfüllen muss. Dafür kann man bei Dreharbeiten für Film und Fernsehen mehr mit der Mimik arbeiten und die Gesichtausdrücke detaillierter darstellen. Das wird zwar natürlich auch beim Theater so gemacht, ist für den Zuschauer aber nicht so hautnah zu erleben wie bei einer Nahaufnahme in einer Filmsequenz. Dafür kann bei den Proben zu einem Theaterstück aber auch einmal etwas schief laufen, ohne dass dies gleich weiterreichende Konsequenzen hat. Bis zur Premiere muss dann natürlich trotzdem alles sitzen, aber man hat doch mehr Zeit und viele Proben, um das Ganze zu perfektionieren. Bei Fernseh- oder Kinofilmen ist der Entstehungsprozess deutlich schneller, weshalb man sich enorm konzentrieren und auf den Punkt da sein muss, damit alle Szenen im vorgegebenen, oft sehr straffen Zeitrahmen abgedreht werden können. Das ist manchmal sehr stressig, aber dafür ist man umso erleichterter, wenn man die Dreharbeiten erfolgreich abgeschlossen hat und sich endlich zurücklehnen kann. Beim Theater hingegen spielst du ja immer wieder die verschiedenen Stücke und musst deine Texte über einen längeren Zeitraum immer wieder abrufen können.

Das Gespräch führte Ann-Katrin Neeb.

Weitere Informationen zur „Entführung aus dem Serail“

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